In Memory of September 2006

12 10 2008 Allgemein

Ich stelle hier auf Anfrage nun nochmal zwei alte Beiträge von meiner damaligen Homepage ein.

Soweit ich mich erinnern kann, ist es schon über zwei Jahre her, dass diese Beiträge dort online standen.

Lest sie einfach noch einmal mit dem Wissen/Erfahrung und dem Abstand zur Situation, den Ihr heutzutage habt.

Verblüffend, wie leicht sich die Zukunft schon damals voraussagen ließ? Nein... denn es gibt tatsächlich gruppendynamische Prozesse in Internet-Gemeinschaften, die irgendwie immer ähnlich ablaufen.

Wohl dem, der sowas bereits zum damaligen Zeitpunkt vorher schon einmal erlebt hatte und sich nicht von den hohlen Phrasen anstecken ließ. Dem blieb es nämlich erspart, dass er am Ende zusammen mit einer Hand voll anderen Möchtegernen (Outlaws) mutterseelenallein da steht und zusehen durfte, wie es immer weniger wurden. Traurig traurig. Aber Momet mal... war das nicht genau das, was Ihr uns Buggy-Clubbern immer gewünscht habt? Ich hab da noch so einige Beiträge von euch im Ohr ;-) Merke: Niemals das Maul voreilig aufreißen. Abgerechnet wird immer am Schluss... genau dann, wenn die große Euphorie vorbei ist :-)

Ich meine es übrigens wirklich ehrlich, wenn ich sage: "Die meisten dieser Indianer sind mittlerweile schlauer als damals... und das ist auch gut so!"

OK, gibt auch welche, die werden das wahrscheinlich niemals zugeben können ... müssen sie aber auch gar nicht. Sie dürfen sich gerne für alle Zeiten weiter selbst zum Clown machen... im Kampf gegen ihre eigene Dummheit und ihr übergroßes Ego.

Es interessiert uns nach wie vor auch gar nicht wirklich. Das Geschwafel dieser paar Wichtigtuer war und ist eh nur Grundrauschen in den Weiten des Internets. Das ist eigentlich nicht anders, als im wahren Leben auch. 


Wer uns als das begreift, was wir wirklich sind, nämlich eine freundliche und offene Community mit jeder Menge Events und Spaß, kann übrigens jederzeit gerne wieder bei uns mitmachen. Er sollte es aber dann auch wirklich ehrlich meinen.

Aber nun zu den beiden alten Indiandergeschichten: weiterlesen

 

Geschichten aus dem wilden Westen - Es war einmal...ein Trupp Indiander. (verfasst im Sep. 2006)

Sie nannten sich die "Indianer der gespaltenen Zunge". Sie riefen "Anarchie" ...aber wollten Macht. Daher brachten sie Kriegsbemalung auf ihre verbissenen Gesichter auf, gruben das Kriegsbeil aus und verbreiteten Unbehagen in ihrem Stamm.

Eines Tages verließen sie dann ihren Stamm und zogen in die weite Steppe. Alsbald fand sich auch ein nettes Plätzchen in der offenen Prairie, um sich niederzulassen. Rasch wurden die Zelte aufgeschlagen. Die Stimmung war großartig, man war berauscht von der eigenen Größe, den eigenen Idealen, der eigenen Genialität. Schnell wurde ein massiver Verschlag um das neue Lager herum gebaut. Absolut sicher musste er sein. Kein feindlicher Indiander durfte unerkannt oder unbemerkt eindringen. Zwar hatte man im alten Stamm genau dies für schlecht empfunden, hatte sich lauthals für Liberalität aller Indianerstämme eingesetzt... doch die Zeiten ändern sich dann und wann... dafür lieber Leser musst Du schon Verständnis haben.

Nun saßen sie da, in ihrem "offenen" Verschlag, die Indiander der gespaltenen Zunge. Eine Verfassung musste her... ein Häuptling ebenfalls. Der echte Häuptling musste unerkannt bleiben. Also wurde ein Strohmann zum Häuptling erkoren: Sein Name war "Häuptling Doppelzunge". Zwar hatte er keinen Skalp mehr aber da er berühmt war für seine Doppelzunge und gleichzeitig geeignet als Sprachrohr für den echten Häupling, war er der richtige Mann. Auch alle anderen Ämter wurden schnell vergeben, ganz so wie es sich für einen vernünftigen Indianer-Stamm gehört. Dann wurde noch festgelegt, dass die Indiander nur Pferde der F-Rasse oder BR-Rasse reiten dürften. Zwar konnte man auch in Ausnahmefällen ein anderes Pferd besitzen, das war jedoch nicht gerne gesehen.

Am Ende des Tages waren alle zufrieden. Nun war man bereit. Bereit, ein liberales Leben als toleranter Indiander zu führen. So vergingen einige Monde. Man lag auf der Lauer, erlegte Büffel, pflegte seine ewig kranken Pferde und besuchte ab und zu seinen alten Stamm, um ein wenig Unfrieden zu stiften. Dann eines Tages erreichte den alten Stamm die Kunde, dass bei den Indianern der gespaltenen Zunge schlimme Dinge abliefen. Jeder, der in deren Lager wollte, musste sich beim ersten Besuch ein Brandmal in die rechte Arschbacke brennen lassen, damit sichergestellt war, dass er kein fremder Indiander mit bösen Absichten war. Dies war ein in damaliger Zeit nicht gern gesehenes Vorgehen. Auch verstieß es ganz allgemein gegen die gute Indianersitte.

Der Medizinmann des alten Stammes, ein weiser Mann, zog aus zum Lager der gespaltenen, um in seiner ruhigen besonnen Art mit den jungen Wilden zu sprechen. Als er das Lager erreichte, herrschte gespannte Ruhe. Die Indianer der gespaltenen Zunge erwarteten ihn bereits. Ihre Gesichter  waren verbissen. Zwar empfingen sie den Medizinmann freundlich, aber sie konnten den alten erfahrenen Mann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie in Wirklichkeit auf dem Kriegspfad waren. Längst hatte er die Messer unter ihren Umhängen blitzen gesehen. "Waren das tatsächlich dieselben Indiander, die noch vor kurzem Mitglieder seines eigenen Stammes gewesen waren?" dachte der Medizinmann. Überall im Lager sah der Medizinmann Regeln, starre Regeln! Regeln, die weit über die des alten Stammes hinausgingen. Regeln, die ein nettes entspanntes Miteinander im neuen Lager gar nicht zulassen konnten. Wo war denn die vielgepriesene Toleranz geblieben? Dann waren da noch ein Haufen hektische Krieger, die hinter jeden Busch schauten. Ganz so, als vermuteten sie dahinter einen Feind Als der Medizinmann sich noch verdutzt umschaute, packten zwei Krieger den Medizinmann unsanft an den Armen und brachten ihn zu Häuptling Doppelzunge.

Er sprach langsam, klar und vorsichtig, denn er wusste, dass Häuptling Doppelzunge, entgegen seiner Behauptungen, nicht besonders gut mit Kritik umgehen konnte. Häupling Doppelzunge wurde bereits nach wenigen Sätzen so zornig, dass er nach seinen Kriegern rief. Sie sollten den Medizinmann aus seinem Wigwam entfernen. Nun stand der Medizinmann im Innenraum des Lagers, bewacht von zwei Kriegern. Es waren zwei der besten Krieger des Stammes. Unerfahren zwar aber wildentschlossene Kämpfer. Der eine hieß Spitzzunge und der andere war Stumpfzunge. Sie waren zwar nicht gerade als große Denker bekannt aber ihre Loyalität zu Doppelzunge war legendär. Drinnen im Wigwam von Doppelzunge wurde beraten, wie man denn nun mit dem dreisten Medizinmann verfahren solle, der es gewagt hatte, dem neuen stolzen und mächtigen Häuptling so frech entgegen zu treten. Nach kurzer Zeit trat der Indianer-Rat vor das Zelt. Der Medizinmann war der "Streßverbreitung" ( :-) ) für schuldig befunden worden. Die harte aber gerechte Strafe lautete: Der Medizinmann durfte für mindestens drei Monde das Lager der gespaltenen Zungen nicht mehr betreten.

Gesenkten Hauptes trat der Medizinmann seinen Heimweg an... was war bloß aus diesen Indiandern geworden? Was war aus ihren großen Idealen geworden? Dann ging ihm ein Licht auf und er stutzte... der Name... "gespaltene Zungen!" ... er stieß sich die flache Hand vor die Stirn, lachte genussvoll über sich selbst...  und setzte guter Dinge seine Heimreise fort.

Mal sehen... vielleicht gibt''s demnächst mehr über Doppelzunge & Co.  in einer weiteren Episode von "Geschichten aus dem wilden Westen"  :-)

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Teil II - Geschichten aus dem wilden Westen (Verfasst im Oktober 2006)

Doppelzunge zog seinen Umhang enger zusammen und legte noch zwei Holzscheite ins Feuer. Kalt war der Wind, der in Herbstnächten durch die Prairie strich und es fröstelte ihn. Aber nicht allein die Kälte setzte ihm zu. Seit einiger Zeit machte sich Unwohlsein in seinem Inneren breit. Die letzten Wochen hatten seinen Kriegern stark zugesetzt... er nahm einen kräftigen Schluck Feuerwasser.

Die erste Euphorie seiner Stammesbrüder über die neue Heimat wich mehr und mehr einer nüchternen Erkenntnis: Wie sollte man den Winter überstehen? Man hatte alle Kraft in den Aufbau eines Indianermarktes gesteckt, hatte sich alle erdenkliche Mühe gegeben. Schöne neue Markstände säumten beide Seiten des "offenen Indianerdorfes"... nur eins fehlte: Man hatte schlicht und ergreifend keine vernünftigen Waren. Die meisten guten Handwerker und Medizinmänner waren im alten Stamm geblieben. Die paar wenigen, die mit ihnen gegangen waren, schafften es nicht, genügend Nachschub für die vielen Markstände zu produzieren und so lag hauptsächlich billiger Krempel in den Auslagen. Seit Wochen schon hatte man kaum noch Kunden gesehen bei den gespaltenen Zungen, denn was nutzte das schönste Geschäft, wenn die Schaufenster leer waren.

Ebenfalls ihrer eigenen Unfähigkeit war es zu verdanken, dass ein paar Dumpfbacken unter seinen Kriegern den einzigen Eingang zum Lager aus Versehen zugenagelt hatten, so dass selbst die wenigen Kunden die ihnen treu geblieben waren, nicht mehr zum Markt gelangen konnten. Doppelzunge fröstelte erneut und verlagerte sein Gewicht auf die linke Seite, denn seine A*schbacke schmerzte immer noch. Der Mond schien hell und tauchte sein Lager in ein fahles unwirkliches Licht. Die Zelte waren dunkel denn Niemand war in Feierlaune. Eine mächtige Depression lähmte die Stimmung... für einen Moment glaubte er eine leere Geisterstadt vor sich zu sehen, dann schüttelte er rasch den Kopf, um diesen unschönen Gedanken schnell wieder loszuwerden und nahm noch einen kräftigen Schluck Feuerwasser...

Aus einer Ecke des Lagers vernahm er lautes Gröhlen. Spitzzunge und Stumpfzunge waren mal wieder besoffen. Anstatt an neuen Waren für den Markt zu arbeiten, saßen die beiden den ganzen Tag in der Dorfkneipe und soffen sich die Hucke zu... ja, so kannte man sie. Freilich war ihm das egal, denn auch Doppelzunge war da nicht anders. Wann immer an der Theke Blödsinn gelabert wurde ... er war dabei! "Was soll''s, wir können halt nix anderes", sagte er zu sich und leerte fast die ganze Flasche in einem Zug.

Plötzlich wurde er aus seinen Gedanken gerissen. Der Wind drehte sich für einen Moment und trug entfernte Musik an Doppelzunge''s Ohr. Am Horizont zog sich eine Hügelkette durch die nächtliche Steppenlandschaft, die wie ein schwarzes Ungeheuer das Land durchtrennte. Hinter den Hügeln konnte er einen leichten Lichtschein ausmachen... dort war das Lager seines alten Stammes und es wurde offensichtlich gefeiert. Er hatte schon die Gerüchte gehört. Angeblich ging es dem alten Stamm blendend, deren Gemeinschaft wuchs immer weiter und die Güte ihrer Waren und Pferdemedizin war mittlerweile in der ganzen Steppe bekannt. Viele neue Indianer hatten sich ihnen angeschlossen, man hatte neue Pferde und diese erfreuten sich auch noch bester Gesundheit.

In diesem Augenblick gröhlte Stumpfzunge von drinnen: "Ey... Doppeldschunge... mmein BR-Pferd iss verreckt, was scholl isch jetzt machen? ... (Hicks)" "Woher soll ich denn das wissen, hab ich etwa Ahnung von Pferden?" brüllte Doppelzunge angesäuert zurück und warf seine Feuerwasserflasche gegen einen Fels. Seine Gedanken richteten sich wieder auf den alten Stamm. Diese Typen waren ihm zuwider. Sie waren schuld an allem. Sie hatten ihn zu alldem getrieben, sie waren es gewesen, diese Bastarde, samt ihrem scheiß Oberindianer. Wütend riss er die Faust gen Himmel, als wolle er den Göttern drohen. Dabei verlor er das Gleichgewicht und fiel rücklings recht unsanft auf sein geschundenes Hinterteil. Schmerzerfüllt rieb er sich seine A*schbacke. Ob dieses elende Brandzeichen wirklich eine so gute Idee gewesen war?

Dann schrie er seine ganze Wut hinaus: "Ich krieg euch noch... ich mach euch fertig!" ... doch seine Schreie verhallten ungehört in der weiten Landschaft. Die kläglichen Reste wurden von der Musik des alten Stammes aufgefressen. Doppelzunge sackte in sich zusammen und öffnete noch eine Flasche Feuerwasser, dann erlosch das Lagerfeuer... während drinnen Stumpfzunge besoffen vom Hocker fiel.

Gruß Wolle



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